Verschiedenes über die Piratenpartei [UPDATE]

Rund um die Piratenpartei hat sich in den letzten Tagen einiges ereignet, das ich hier mal kurz zusammenfassen möchte.

Vor kurzem hat StudiVZ bzw. meinVZ sogenannte “Edelprofile” eingeführt, die neben gut zahlenden Kunden auch Parteien für den kommenden Wahlkampf offen stehen. Dies bildet eine Ausnahme zu den Regeln des Netzwerks, die politische Werbung im Normalfall verbieten. Im Gegensatz zu den üblichen Regeln für Wahlwerbung in anderen Medien, die normalerweise eine Gleichbehandlung der Parteien zum Ziel haben, bekommen auf StudiVZ nur Parteien “Edelprofile”, die im Bundestag vertreten sind. Davon haben diese Parteien mittlerweile auch Gebrauch gemacht. Um dennoch auf StudiVZ präsent zu sein, legte ein Pirat kurzerhand ein normales Profil für die Partei im Netzwerk an, das jedoch kurz darauf mit dem Hinweis, dass Angaben im Profil der Wahrheit entsprechen müssten, gelöscht. Es ist aus meiner Sicht völlig unverständlich, dass die Betreiber eines Netzwerks wie StudiVZ sich einerseits mit speziellen Profilen für die großen Parteien als Wahlkampfplattform positionieren möchten, andererseits aber kleinere Parteien die Möglichkeit der Teilnahme am Wahlkampf verwehren.

Trotz solcher Ärgernisse nimmt die Piratenpartei international und auch in Deutschland weiter Fahrt auf. Nach dem Urteil gegen die Betreiber des Bittorrent-Trackers The Pirate Bay und den Zensurbestrebungen der Bundesregierung hat die deutsche Piratenpartei mittlerweile die Grenze von 1000 Mitgliedern überschritten (die Zahl ergibt sich aus der Summer der Mitglieder der Landesverbände, die offiziellen Zahlen sind leider nicht ganz aktuell) und ist damit unter den Kleinparteien zu einer Größe herangewachsen, die man nicht so einfach ignorieren kann.

In Schweden zeigt sich diese Entwicklung noch deutlicher. Die dortige Piratenpartei konnte in den vergangenen Wochen einen rasanten Mitgliederzuwachs verbuchen und ist dabei, eine größere politische Kraft in Schweden zu werden. Die Jugendorganisation Ung Pirat (Deutsch: Junge Piraten) ist mittlerweile sogar die größte politische Jugendorganisation des Landes. Darüber hinaus könnte die schwedische Piratenpartei einer aktuellen Umfrage zufolge bei der anstehenden EU-Wahl 5,1% der Stimmen und damit mit Sicherheit einen Sitz im EU-Parlament erlangen.

Update: Wie schon in den Kommentaren zu lesen hat sich StudiVZ mittlerweile bewegt und ermöglicht es wohl auch anderen Parteien, sich ein Profil zu kaufen. Ich halte euch auf dem Laufenden, ob die Piratenpartei eins erhält oder nicht.

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4 Kommentare

  1. Dunkelangst:

    Hi Hoshpak!

    Das mit studiVZ würde ich nicht so eng sehen. Zumindest ich würde studiVZ gerne wieder verlassen und werde dies auch sofort nach Abschluss meines Studiums machen. Auf Grund deines Beitrages hier habe ich mir gerade die Profile der etablierten Parteien im stduVZ angesehen. Wie man die sozialen Netzwerke so kennt werden links gleich die Bekannten eingetragen, die irgendeinen Politiker gut finden. Die meisten meiner Bekannten kennen nicht einmal die Politiker Profile dort.

    Vielmehr denke ich, dass die Piratenpartei soziale Netzwerke an sich in Anlehnung an die Hackerethik völlig überflüssig finden sollte:

    Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen

    Ich halte es zumindest die jugendliche Wählerschaft die intimste Details in sozialen Netzwerken und somit im Internet veröffentlichen für sehr fragwürdig. Was denkst du?

    Weitere Blog Beiträge zum Thema:
    studiVZ aus Zwang, selber Schuld, Goodbye facebook, Social Networks sind böse – meist

  2. Helmut:

    Ich sehe das ähnlich wie du. Ich empfinde “soziale Netzwerke” persönlich als reichlich sinnlos und bin dort auch nirgends angemeldet. (Wenn man identi.ca nicht als soziales Netzwerk sieht) Als Partei steht man aber immer vor dem Dilemma, dass man eben dort werben muss, wo die Wähler sind. Und da ist StudiVZ leider momentan ziemlich groß und man kann es kaum ignorieren. Ich hätte jetzt auch nichts dagegen, wenn Holtzbrinck Parteien den Zugang ganz verwehren würde, aber wenn man sich schon selbst zur Wahlkampfplattform macht, dann auch für alle Parteien gleichermaßen bitte.

  3. Dunkelangst:

    Hi!

    Ich möchte auch an dieser Stelle darauf hinweisen, dass studiVZ nun seinen Verhaltenskodex geändert hat. Nun kann auch die Piratenpartei ein eigenes Profil anlegen. Auf auf – have fun!

    *Schöne Grüße*

  4. Helmut:

    Ich habe in den Artikel mal ein kleines Update eingefügt. Jemand von uns hat bereits offiziell ein Profil beantragt. Ich bin mal gespannt, wie sich das entwickelt.

    Auf jeden Fall schön, dass sich Holtzbrinck da bewegt.

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