Google Wave: Revolution, Evolution oder reiner Hype?

Schon vor einiger Zeit gingen Gerüchte durch die unterschiedlichen Kanäle des Internets, dass Google am “nächsten großen Ding” namens Wave arbeite und das so ziemlich die beste Erfindung seit geschnitten Brot wäre. Wave hat also schon vor dem Start der teilöffentlichen Betaphase einiges an Vorschusslorbeeren geerntet, auch wenn einem zu diesem Zeitpunkt kaum Jemand erklären konnte, was Wave genau eigentlich ist. Nachdem vor Kurzem die Betaphase gestartet ist und diese ähnlich wie bei gmail über Einladungen teilöffentlich gestartet wurde, habe ich das zum Anlass genommen, mir Wave mal genauer anzusehen.

Google versucht mit Wave eine Verschmelzung von bekannten Kommunikationsmöglichkeiten wie Email, Chat, Foren, Wikis und weitere basierend auf XML und dem XMPP-Protkoll. Logt man sich bei Google Wave ein, (was momentan nur mit einer Einladung und einem Google-Konto möglich ist) kriegt man zunächst eine dreispaltige, ziemlich übersichtlich gestaltete Oberfläche zu sehen, die zunächst an einen Emailclient erinnert. Die sonst auch bei Emails üblichen Ordner sind vorhanden und in der unteren linken Leiste befindet sich eine Kontaktliste, wie man es von Chatprogrammen kennt.

Um nun mit der Benutzung von Wave zu beginnen, muss man zunächst eine neue “Wave” öffnen, idealerweise selbstverständlich mit einem oder mehreren Gesprächspartern. Darin kann man dann Nachrichten schreiben, die nahezu in Echtzeit auch beim Empfänger der Nachricht Zeichen für Zeichen erscheinen. Um solche Funktionen umzusetzen ist natürlich ein exzessiver Gebrauch von Javascript erforderlich, was die Sache auch manchmal etwas zäh werden lässt und zu Kompabilitätsproblemen führt, so funktioniert die aktuelle Version beispielsweise nicht im Internet Explorer, empfohlen werden Firefox, Chrome oder Safari in der jeweils aktuellen Version. Neben dem normalen eingeben von formatiertem oder unformatieretemText unterstützt Google auch beispielsweise das einbinden von Bildern oder Youtube-Videos.

Um zu antworten kann man beispielsweise den Post editieren, direkt darauf antworten oder auch eine neue Nachricht in die Wave schreiben. Je nach persönlicher Nutzungsweise hat man so eine längere Konversation mit langen Nachrichten, Chatähnlich kurze Antworten oder einen Usenet-ähnlichen Threadbaum. Jede einzelne Änderung in der Wave kann man sich dann auch noch in einem “Replay”-Modus im chronologischen Verlauf anzeigen lassen.

Somit vereint Google Wave also tatsächlich die Funktionalität zahlreicher Dienste in sich, vom Adressbuch eines Emailclients über die Echtzeitkommunikation von Instant Messengern bis hin zur Editierbarkeit von Wikis und stellt damit aus meiner Sicht eine extrem flexible Kommunikationsmöglichkeit dar. Natürlich ist aber wie immer nicht alles Gold, was glänzt. Aus meiner Beschreibung kann man ja schon entnehmen, dass jedes einzelne Detail der Kommunikation auf dem Google-Server gespeichert wird und man komplett die Kontrolle über seine Daten verliert, was auch schon beispielsweise vom BSI kritisiert wurde.

Da Wave grundsätzlich auf freier Software und freien Protokollen basiert, wird es zwar in absehbarer Zeit möglich sein, eigene Wave-Server zu betreiben und damit die Situation etwas zu entschärfen, jedoch ändert das am Grundproblem der serverseitigen Speicherung zahlreicher Daten nichts.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass Google Wave einen durchaus sinnvollen und vor allem sehr flexiblen Ansatz zur Kommunikation im Internet darstellt. Der Mehrwert ist jedoch aus meiner Sicht nicht so groß, dass es sich lohnen würde, von anderen Möglichkeiten auf Wave umzusteigen und die momentan vorhanden Datenschutzprobleme machen es zumindest für mich generell unattraktiv. Auch stellt sich mir die Frage, ob es tatsächlich nötig ist, die momentan verwendeten Technologien für eine alles erschlagende Lösung wie Wave aufzugeben oder ob eine clientseitige Vereinigung wie beispielsweise im (leider noch unausgereiften) Mozilla Raindrop nicht vielversprechender wäre.

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7 Kommentare

  1. novalix:

    Wie? Werden Emails, Blog- oder Wikieinträge bislang nicht auf Servern gespeichert?
    Kann man von mir aus als “Grundproblem” bezeichnen. Ist aber offensichtlich kein Alleinstellungsmerkmal von Wave.
    Die Kritik vom BSI ist imho albern.
    Ansonsten kann ich Deiner Zusammenfassung nur Lob zollen.
    Halt! Noch ne Kleinigkeit. Das in meinen Augen interessanteste Feature von Wave ist der von Dir nur beiläufig erwähnte “Replay”-Modus.
    Version Control für jedermann. Das ist cool.

    Disclaimer: Nein ich bin kein Googleverehrer.

    niels

  2. Helmut:

    Die Speicherung habe ich jetzt primär auf Emails bzw. Chats bezogen. Natürlich müssen dort die Nachrichten auch vom Server verarbeitet werden und werden dabei zumindest temporär gespeichert, aber bei entsprechender Konfiguration sind die Nachrichten weg vom Server, sobald mein Client online geht, bzw. die Mails abruft.

    Bei Wave hingegen wird bis jetzt alles prinzipbedingt (denn der Client läuft auf dem Server) alles auf unabsehbare Zeit auf dem Server gespeichert, das sehe ich kritisch.

  3. Dunkelangst:

    Bei Wave hingegen wird bis jetzt alles prinzipbedingt (denn der Client läuft auf dem Server) alles auf unabsehbare Zeit auf dem Server gespeichert, das sehe ich kritisch

    Und genau das ist der Grund, weshalb ich Google boiktiere wo es nur geht. Auf meinem Blog setze ich die robots.txt ein und in den Kommentaren belasse ich das nofollow Attribut – nicht weil ich die Kommentatoren nicht leiden kann, sondern weil mir das Ranking meines Blogs schnuppe ist. Genau genommen würde ich gerne bei Google nicht einmal erwähnt werden. Da ist mir jede Empfehlung in einer Blogroll lieber als ein Eintrag bei Google.

    Auch benutze ich keinen Google Reader, sondern hab mir zu diesem Zweck lieber einen eigenen Planeten installiert, der auch noch mehr her macht…

    Ich bin da wohl etwas extrem. ;-)

    Alles in allem finde ich deine Publizierung über Google Wave sehr gelungen und sehe die von Dir erwähnten Kritik Punkte mindestens genauso kritisch.

  4. Stefan:

    Die Bedrohung der Privatsphäre ist genause groß oder klein wie bei allen Internetdiensten, wie hier auch schon erwähnt wurde. Im Moment ist Wave eben nur auf Google Servern verfügbar, aber schon bald wird es wohl auch andere Server und auch lokale clients geben die das ganze ebenos dezentral werden lassen wie andere Protokolle/ Kommunikationswege auch (Email, Jabber). Es ist daher also weniger kritisch wie Dienste ala Skype, ICQ, MSN, Facebook, Twitter & Co, die allesamt auf proprietäre Software und Prokolle setzten. Warum gerade bei Google Wave die Datenschutzwelle so hochschwappt ist d.h. für mich irgendwie nicht nachvollziehbar. Wer Google nicht mag verwendet einfach freie alternativen und fertig.

  5. Dee:

    Vielen Dank für den Beitrag, ist eine schöne Zusammenfassung. Was aber die Sicherheit und Datenschutz angeht kann ich da nicht ganz zustimmen.
    1. Wave ist jetzt schon für Jedermann zugänglich, das heisst, jeder der über das notwendige Fachwissen verfügt sollte in der Lage sein seinen eigenen Wave Server aufzusetzen siehe http://www.waveprotocol.org egal ob auf Linux OSX oder Windows
    und
    2. Wenn ich also Wave auf meinem eigenen Server installieren kann, bleiben ja die Daten bei mir somit ist auch Datenschutz kein Thema mehr

  6. gado:

    Das mit dem Datenschutz finde ich übertrieben, dann dürfte man keinen Dienst mehr im Internet nutzen, nur den Dienst auf dem eigenen Server, wenn das jeder so machen würde, wo kommen wir dann hin? Tausend verschiedene Server um mit jemanden schreiben zu können?

    Woher willst du eigentlich wissen, dass deine Mails gelöscht werden, wenn du sie abrufst? Nur weil sie in deinem Postfach nicht mehr angezeigt werden, heißt es nicht, dass sie nicht mehr existieren. Da würde auch nur ein eigener Server helfen und wer sagt, dass dort keiner drauf guckt, wenn er nicht Zuhause steht? Du merkst schon, dass den Gedanken immer weiter treiben kann.

    Man sollte vielleicht keine wichtigen Dokumente oder sonstiges austauschen, aber selbst das würde gehen, wenn man den Text/Dateien verschlüsselt.

  7. Dunkelangst:

    Das mit dem Datenschutz finde ich übertrieben, dann dürfte man keinen Dienst mehr im Internet nutzen, nur den Dienst auf dem eigenen Server, wenn das jeder so machen würde, wo kommen wir dann hin? Tausend verschiedene Server um mit jemanden schreiben zu können?

    Na, wäre doch super und vor allem schön dezentral!

    Woher willst du eigentlich wissen, dass deine Mails gelöscht werden, wenn du sie abrufst? Nur weil sie in deinem Postfach nicht mehr angezeigt werden, heißt es nicht, dass sie nicht mehr existieren.

    Deshalb nutze ich einen eigenen E-Mail Server und bei dem bin ich mir sicher, dass die E-Mails gelöscht sind, wenn ich sie lösche. Warum sollte man auch Googlemail nutzen?!

    Da würde auch nur ein eigener Server helfen und wer sagt, dass dort keiner drauf guckt, wenn er nicht Zuhause steht?
    Vertrauen ist der Anfang von allem. ;-) Den Jungs, bei denen mein Server steht, vertraue ich. Und wenn sie dennoch auf den Rechner schauen? Wichtige E-Mails sind bei mir verschlüsselt. Mit GnuPG [1].

    Man sollte vielleicht keine wichtigen Dokumente oder sonstiges austauschen, aber selbst das würde gehen, wenn man den Text/Dateien verschlüsselt.

    Richtig. Und was genau wolltest du mit deinem Kommentar jetzt sagen?

    [1]: http://www.dunkelangst.org/wiki/index.php/GnuPG

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