Die Onlinefunktionalitäten der Wii
Spielekonsolen basieren grundsätzlich auf ähnlichen Komponenten wie andere verbreitet Computersystemen, sind jedoch anders als diese nicht universell angelegt, sondern sowohl hardware- als auch softwaretechnisch auf einen einzigen Verwendeungszweck – das Spielen – optimiert. Diese Grundlage hat über die Jahre auch dazu geführt, dass die Hersteller ganz deutlich Kontrolle über die Geräte ausüben und diese dem Nutzer genommen wird.
Die Spielkonsole die ich hier näher betrachten möchte ist die Wii von Nintendo. Es ist kein Geheimnis, dass diese Spielekonsole hardwaretechnisch hinter ihren Konkurrenten zurücksteht, dafür punktet sie aber mit einem niedrigeren Energieverbrauch und interessanten Spiel- und Bedienungskonzepten.
Während es zur Zeiten der Playstation 2 noch extrem schwierig war, die Konsole ans Netz zu bringen, (der Netzwerkadapter musste für teures Geld gekauft werden, kaum Spiele unterstützen Online-Multiplayerspiele und der Zugriff war nur mittels einer speziellen CD von Sony möglich) bietet die Wii durch integriertes Wlan und Netzwerkfunktionen einen deutlich leichteren Einstieg.
Nun könnte man die sich damit eröffnenden Möglichkeiten konsequent nutzen, um dem Spieler ein großartiges Erlebnis an seiner Konsole zu bieten, leider ist das aus meiner Sicht bei Nintendo bis jetzt nicht der Fall.
Hier muss zum Hintergrund noch erwähnt werden, dass es bei Konsolen seit Aufkommen des Internets neben dem Hersteller selbst zwei Interessensgruppen gibt: Die Homebrew-Community und Schwarzkopierer. Während erstere primär aus Enthusiasten besteht, die die Möglichkeiten ihres Geräts in vollem Umfang nutzen und eigene Programme ausführen möchten, hat die zweite Gruppe primär das Interesse, die Schutzvorrichtungen des Herstellers zu umgehen, um unlizensierte Kopien spielen zu können. Beiden Gruppen stehen dabei die einschränkenden Maßnahmen des Herstellers im Weg und oft genug finden zunächst findige Homebrw-Hacker einen Weg, diese zu umgehen und öffnen damit auch die Möglichkeit, Schwarzkopien auszuführen. Sony hat durch die Möglichkeit der Linuxinstallation auf der PS3 gezeigt, dass sich dieser Vorgang durch die kontrollierte Ermöglichung eigener Software zumindest länger hinauszögern lässt.
Aber zurück zum eigentlichen Thema. Von einer modernen, per Netzwerk angebunden, Konsole erwarte ich eigentlich die Möglichkeit, mich direkt auf der Konsole über neue Spiele zu informieren, mir Trailer anzuschauen und Demos herunterzuladen. Der letzte Punkt wäre auf der Wii aufgrund des begrenzten Speicherplatzes zugegebenermaßen schwieriger, aber nicht unmöglich. Die Einbindung von Dritthersteller bzw. Homebrew-Programmen wäre dann noch der letzte Punkt, den ich mir wünschen würde, aber nicht wirklich von einem etablierten Hersteller erwarte.
Wenn man sich die Situation auf der Wii heute anschaut, hat man von Haus aus nur eine begrenzte Anzahl netzwerkfähiger “Kanäle” zur Verfügung. Der “Mii-Kanal” ermöglicht kleinere Spielereien mit den hauseigenen Avataren, der “Nacherichtenkanal” zeigt weltweit Agenturmeldungen an und im optional erhältlichen “Nintendo-Kanal” finden sich eine begrenzte Anzahl leider nicht sonderlich aktueller Videos zu verschiedenen Themen. Für diese Kanäle muss jedoch jeweils der “Wiiconnect24″-Modus aktiviert werden, der eine Netzwerkverbindung im Standby zwecks Download von Aktualisierungen ermöglicht und Nintendop weitere Zugriffsmöglichkeiten auf die Konsole gibt.
Ohne diesen Modus verfügbar sind dann noch der “Internet-Kanal” (ein rudimentärer Web-Browser auf Opera-Basis mit Flash lite-Integration) und der “Shop-Kanal”. Hierbei handelt es sich um das hauseigene System zum kaufen und herunterladen zusätzlicher Software. Bezahlt wird in eigener eigenen Währung namens “Wii-Points”, wobei diese im Handel als Punktekarten im Gegenwert von einem Cent je Punkt verfügbar sind.
Auswählen kann man aus drei Kategorien, die “Virtual Konsole” bietet emulierte Klassiker verschiedener Systeme, “Wiiware” native (Mini)spiele für die Wii und mit “Kanäle” kann man sich weitere Programme wie den Webbrowser herunterladen.
Nun ist die Emulation anderer Systeme grundsätzlich ein alter Hut, dennoch wäre ich grundsätzlich bereit, für bestimmte Klassiker einen geringen Preis zu bezahlen. Nintendo verleidet einem allerdings diesen Spaß einerseits durch den Preis, selbst jahrzehntealte Spiele kosten noch umgerechnet 5 Euro und die wirklich interesannten sind erst ab 10 Euro aufwärts zu haben, und andererseits durch ein eingebautes DRM-System. Die gekauften Spiele sind praktisch nur geliehen und können nur auf der Konsole – und zwar nur der einen Konsole – gespielt werden. Geht die Konsole kaputt und muss ausgetauscht werden, muss man sich auf den Nintendo-Support verlassen, um die legal erworbenen Spiele auf der neuen Konsole spielen zu können.
Ähnliches gilt auch für die nativen Spiele. Es handelt sich um scheinbar handverlesene Spiele verschiedener Publisher, die für meinen Geschmack eb ebenfalls zu einem sehr hohen Preis angeboten werden. Demos für Vollpreisspiele, Freeware und Homebrew sucht man vergeblich.
Insgesamt bin ich also ziemlich enttäuscht, wie wenig Nintendo Gebrauch von den sich durch aktuelle Breitbandanschlüsse bietende Möglichkeiten macht und dadurch zwar eine gute Konsole mit spaßigen Spielen geschaffen hat, die User experience in diesem Punkt aber extrem dürftig ausfällt. Sony und Microsoft scheinen es hier eher zu verstehen, ihren Spielern eine attrktive Plattform zu bieten, auch wenn dort das Optimum sicherlich auch noch nicht erreicht ist.
Keine ähnlichen Artikel vorhanden




gheed:
Ja ich finde auch aus der Onlinefunktionalität hatte man bei der Wii viel mehr machen können. Gerne würde ich mir die ganzen alten Spiele vom N64 oder SNES runterladen, aber die Preise finde ich da doch etwas heftig. Vor allem gäbe es ja auch einige interessante Multiplayermöglichkeiten. Spontan würden mir da z.b. Super Mario Bros. Wii oder auch sowas wie Wii Fit einfallen. Mario Kart nutzt das ja schon.
Andererseits muss man aber auch die Zielgruppe der Wii sehen, also vor allem Kinder, Familien, aber auch ganz besonders Frauen. Da wird Multiplayer halt eher zusammen auf der Couch gemacht als online im Internet. Trotzdem wäre das eine schöne Sache gewesen. Vielleicht kommt da ja auf einer zukünftigen Konsole etwas.
16. März 2010, 22:48