Palm Pre unter der Lupe

Palm Pre

Produktabbildung: Palm Pre

Der Markt für Smartphones ist nach wie vor in Bewegung, Apple legt mit seinem iPhone immer wieder nach und verspricht mit dem nächsten Update Multitasking und ein besseres Spieleerlebnis, der Markt für Linux-basierte Modelle teilt sich momentan in Telefone mit Googles Betriebssystem Android, Nokias Maemo (zukünftig MeeGo) und Palms webOS. Aufgrund des Preises habe ich mich für die letztere Variante in Form eines Palm Pre entschieden, den es hierzulande auf Raten bei O2 oder auch bei zahlreichen Online-Händlern ohne Vertrag gibt. Das Gerät habe ich nun mehrere Tage getestet und möchte hier einen kleinen Überblick über das Smartphone an sich und meine bisherigen Erfahrungen geben.

Die Hardware

Der (oder das) Pre verfügt über einen untertakteten 500 Mhz ARM-Prozessor, 256 MB Arbeitsspeicher und 8 GB internen Flash-Speicher, von dem ca. 7 GB für Daten und Anwendungen zur Verfügung stehen. Der Touchscreen unterstützt Multitouch und damit ähnliche Effekte, wie man Sie bereits vom iPhone kennt. Zusätzlich lässt sich über den Slider noch eine relativ klein geratene QWERTZ-Tastatur ausfahren, die sich mit den Fingerspitzen bzw. Fingernägeln relativ gut bedienen lässt.

Die Software

Nach dem ersten Einschalten des Geräts begrüßt einen Palms WebOS, das einen zunächst zu einer Registrierung mit Emailadresse bei Palm nötigt. Ist dieser Vorgang abgeschlossen, erhält man eine durchaus durchdachte, aufgeräumte und leicht zu bedienende Touchscreen-Oberfläche, die über zahlreiche Funktionen und gut funktionierendes Multitasking verfügt. Von Anfang an integriert sind beispielsweise eine Anwendung für Google Maps, Youtube, ein Kalender, ein Emailprogramm, ein Webbrowser und ein Instant Messenger.

Hier zeigen sich aber gleich die standardmäßig eingebauten Limitierungen. Zwar verfügen die mitgelieferten Anwendungen über eine große Funktionsvielfalt, das Emailprogramm unterstützt beispielsweise Push Email über Imap IDLE und Exchange Activesync, jedoch lassen einige Anwendungen nur eine Bedienung im vertikalen Modus zu, was nervig sein kann, da der Pre über Beschleunigungssensoren verfügt und das Bild normalerweise automatisch mit dem Gerät dreht. Der IM-Client beispielsweise unterstützt standardmäßig nur SMS, AIM und Google Talk, obwohl die dahinterstehende Bibliothek mehr könnte.

Nicht für fast alles eine App

Das Pendant zu Apples App Store nennt sich bei Palm App Catalog. Die Auswahl an downloadbaren Anwendungen ist hier aber leider sehr begrenzt, wobei auch hier eine Länderbeschränkung vorliegt und sich nicht jede Anwendung auch in Deutschland herunterladen lässt. Immerhin sind seit dem letzten Update auch kostenpflichtige Anwendungen hierzulande verfügbar. Der Apple-Spruch von “für fast alles eine App” trifft hier also nicht zu, wobei es dennoch ausreichend Anwendungen mit fraglichem Nutzwert gibt.

Der Gefängnisausbruch oder auch nicht ganz

Ein Jailbreak wie beim iPhone ist auf dem Pre nicht nötig, es handelt sich schließlich um ein Linux-basiertes Betriebssystem, so dass man nicht zwingend an die vom Hersteller angebotenen Optionen gebunden ist. Es ist lediglich notwendig, den sogenannten “Developer-Modus” zu aktivieren, um den vollständigen Zugriff auf das Gerät zu erlangen und eigene Software installieren zu können. Über das genaue Vorgehen finden sich auf Webseiten wie webos-internals oder precentral.net zahlreiche Anleitungen. Ich würde diese Option jedoch nur Nutzern empfehlen, die schon Erfahrungen mit Linux haben und genau wissen, was Sie tun.

Installiert man sich anschließend eine zusätzliche Paketverwaltung wie beispielsweise Preware, stehen zahlreiche weitere Anwendungen, Patches, Themes und andere Software zur Verfügung. Vom ssh-Server über ein Terminal, einen Webserver oder nicht im AppCatalog enthaltene Homebrew-Anwendungen ist vieles vorhanden.

Besonders nützlich sind hier auch die Patches, die das Betriebssystem bzw. die Oberfläche um zusätzliche Funktionen erweitern oder diese freischalten. So kann man im IM-Client beispielsweise mittels Patch auch Jabber, ICQ, IRC und weitere Dienste benutzen, für integrierte Anwendungen die horizontale Benutzung einschalten und Rufnummernsperren einrichten.

Gefangen in der Wolke

Zwar verfügt die Software grundsätzlich über verschiedene Möglichkeiten zur Synchroniserung mit einem PC, jedoch heißt das Zauberwort für die Synchroniserung von Kontakten, Kalender- und weiteren Daten bei Palm mal wieder Cloud. In der ominösen Wolke, die man sich unter diesem Marketingbegriff wohl vorstellen soll, sollen die eigenen Daten also abgelegt werden. Hier besteht die Wahl zwischen einem Palm-eigenen Dienst, Google, Facebook, einem Exchange-Konto oder Yahoo. Diese Funktion lässt sich, soweit ich das bis jetzt feststellen konnte, auch nicht direkt abschalten. Sofern man es nicht explizit deaktiviert, überträgt die Software außerdem täglich Daten an einen Backupservice von Palm, der ebenfalls integriert ist.

Nach Hause telefonieren…

Doch damit nicht genug, ebenso wie der Außerirdische ET, telefoniert der Pre gerne mal nach Hause. Auf diese Tatsache wurde ich durch einen entsprechenden Blogpost aufmerksam. Das Gerät überträgt dabei die GPS-Position, Daten über die Nutzung einzelner Anwendungen und Crashreports wahrscheinlich täglich an den Hersteller. Diese Funktion lässt sich zwar manuell deaktivieren, jedoch nicht über die Oberfläche selbst, sondern über die Kommandozeile und durch den Eingriff in Systemdateien.

Der Akku

Der Akku des Pre ist austauschbar und wird über ein USB-Kabel geladen. Somit kann man praktisch jeden Computer anzapfen, ohne sich zusätzliche Adapter besorgen zu müssen. Der Akku selbst hält im Standby-Betrieb mehrere Tage und bei regelmäßiger Internetverbindung über UMTS (beispielsweise für imap IDLE) ca. 24 Stunden.

Fazit

Aus meiner Sicht ist der Pre ein guter Kompromiss zwischen einem normalen Telefon und einem Smartphone mit vollständiger Desktop-Oberfläche. Das Gerät bedient sich angenehm und intuitiv, hat unter der Haube aber ein voll funktionsfähiges Linux, auf das man auch ohne größere Umstände zugreifen kann. Es wäre mir allerdings deutlich lieber, Palm würde weniger versuchen, die Kunden an die eigenen Dienste zu binden und stattdessen lieber Rücksicht auf die Privatsphäre seiner Nutzer nehmen. Auf dem aktuellen Stand kann ich das Gerät daher nur bedingt und eigentlich auch nur für versiertere Linux-Nutzer empfehlen, denen ein N900 beispielsweise zu teuer wäre.

  • Digg
  • Technorati
  • Wikio
  • del.icio.us
  • Facebook
  • MySpace
  • Twitter
  • Google Bookmarks
  • MisterWong.DE
  • Identi.ca
  • Slashdot
  • Yigg
  • StumbleUpon
  • email
  • RSS
  • PDF

Ähnliche Artikel:

Trackbacks/Pingbacks

Hinterlasse einen Kommentar