Flattr: erste Eindrücke

Der Onlinedienst flattr des Piratebay-Mitgründers Peter Sunde (brokep) basiert auf einem einfachen und bestechenden Prinzip. Jeder Nutzer kann einen monatlichen Betrag festlegen, der an andere Benutzer des Dienstes verteilt wird. Liest man nun einen Artikel in einem Blog oder einer Online-Zeitung, sieht ein Video oder findet beispielsweise eine Seite mit Bildern, die einem gefallen, klickt man auf den flattr-Button und lässt demjenigen damit am Ende des Monats einen Anteil des Betrages zukommen. (Voraussetzung ist natürlich, dass derjenige ebenfalls flattr benutzt und auf seiner Seite eingebunden hat) Dieser Anteil berechnet sich dann schlicht aus dem monatlich vergebenen Betrag und der Anzahl der geklickten flattr-Buttons.
Ziel des Dienstes ist es, eine Möglichkeit zu schaffen, um anderen Benutzern Anerkennung für Ihre Arbeit in Form kleiner Beträge zukommen zu lassen und so eine Vergütungsmöglichkeit für Online-Inhalte zu schaffen. Der Dienst ist momentan in einer teilöffentlichen Beta-Phase und verfügt bereits über die meisten Funktionen. Als flattr angekündigt wurde, war neben dem groben Konzept nichts weiter bekannt und eine Anfrage an die Betreiber blieb leider unbeantwortet. Mittlerweile habe ich eine Einladung zur Beta erhalten und möchte anhand dessen hier kurz meine ersten Eindrücke wiedergeben.
Zunächst einmal wirkt der Dienst, der als englische Limited mit schwedischer Adresse firmiert, schon jetzt sehr professionell und das ist keineswegs nur positiv gemeint. Auf der Seite wird man von “Terms of Use” und einer “Privacy Policy begrüßt, die durchaus auch von Google oder Facebook stammen könnten. Diese Dokumente sind nicht nur sehr umfangreich und räumen den Betreibern weitgehende Rechte ein, Sie verwenden auch in diesem Zusammenhang häufig verwendete Begriffe wie “intellectual property”. Vom rebellischen Geist der Piratenbucht ist hier also nichts zu finden.
Hat man sich mit seiner Emailadresse (und aktuell auch einem Einladungscode) registriert, muss man zunächst Geld auf diesen laden, um ihn zu aktivieren. Dieses als “funds” bezeichnete Guthaben kann momentan nur per Paypal aufgeladen werden, wodurch für jede Einzahlung sowohl flattr-, als auch Paypal-Gebühren fällig werden. Von einer Einzahlung von 8€ blieben so etwa 7,38€ übrig. Diese Guthaben kann dann nur auf flattr, also zu automatischen anteiligen Überweisung an andere Benutzer, genutzt werden, eine Auszahlung ist nicht möglich.
Als Seitenbetreiber hat man die Möglichkeit, flattr-Buttons auf der eigenen Webseite zu platzieren (für WordPress und andere gängige CMS stehen Plugins bereit) und anderen Benutzern somit die Möglichkeit zu geben, eigene Inhalte zu “flattern” und somit selber ein Stück des Kuchen des jeweiligen Benutzers zu bekommen. (von dem flattr allerdings 10% als Gebühr abzieht) Alternativ besteht momentan auch die Möglichkeit, Artikel manuell an flattr zu melden, so dass diese innerhalb der Seite aufgefunden werden können. Das daraus resultierende, als “revenue” bezeichnete Guthaben, kann ab einem Betrag von 10€ ausgezahlt werden, wobei hier wiederum Paypal-Gebühren anfallen.
Eine Frage, die sich dabei natürlich auch stellt ist die der Privatsphäre. Bindet man aktiv fremde Inhalte in die eigene Seite ein, (momentan besteht die Möglichkeit eines statischen Buttons oder eines Javascript-Buttons mit Zähler) gibt man damit den Betreibern, gleichzeitg die Möglichkeit, die Seitenaufrufe und das Verhalten der Benutzer auf der Seite zu protokollieren und auszuwerten. Diese Prinzip wird beispielsweise auch bei Google Analytics genutzt, wobei die Speicherung und Auswertung hier seitens der Seitenbetreiber explizit gewünscht ist. Flattr gibt hier in der “Privacy Policy” zu, die Benutzung der Seiten durch flattr-Nutzer durch eindeutige Cookies zu verfolgen. Ebenfalls gespeichert werden Verbindungsdaten wie die verwendete IP-Adresse und vom Browser weitergegebene Informationen. Außerdem verwendet flattr innerhalb der eigenen Seite ebenfalls den umstrittenen Statistikdienst Google Analytics.
Da die oben genannten Tatsachen mich davon abgehalten haben, meinen Account aufzuladen und zu aktivieren, kann ich über den aktuellen Stand der Funktionalität keine genauen Angaben machen. Bis jetzt scheinen noch relativ wenige verschiedene Seiten den Dienst zu nutzen, wobei deutsche und schwedische Blogs den größten Teil ausmachen.
Ich persönlich finde das Konzept gut und kann mir vorstellen, dass ein Micropaymentdienst nach diesen Prinzip etwas grundsätzliches an der Art und Weise, wie wir mit Inhalten umgehen, ändern könnte. Aus meiner Sicht basiert die oft proklamierte “Kostenloskultur” eben nicht auf dem Geiz der Leute, sondern schlicht der Unmöglichkeit, kleinere Beträge einfach und schnell an Andere zu überweisen. flattr selbst wirkt aber für mich selbst zunächst wenig attraktiv, sowohl aufgrund des Paypal-Zwangs und der damit verbundenen Gebühren (außerdem gibt es Paypal-Buttons, über die man sich zumindest die flattr-Gebühren sparen kann) als auch meiner Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Andere Zahlungsarten sind allerdings bereits in Arbeit, vielleicht wird sich also auch hinsichtlich des zweiten Punktes bis zur finalen Version etwas ändern.
Letztendlich hängen Erfolg oder Misserfolg davon ab, ob eine kritische Masse an Internetusern und Seitenbetreibern den Dienst in Anspruch nimmt und dieser sich somit als allgegenwärtige Option etablieren kann.

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Stefan:
Ich persönlich musste meinen Account leider in Ermangelung eines Paypal-Accounts oder einer Kreditkarte wieder entfernen lassen. Ich hatte gehofft, aber nicht wirklich daran geglaubt, dass ein ehemaliger Piratebay-Gründer auch an die Papyal-kritischen Bürger denkt und es irgendwie schafft normale Bank-Transaktionen innerhalb Europas (IBAN) anzubieten. Ich persönlich habe zwar keine Ahnung ob und wie man sowas automatisch abrufen kann, aber bestimmt gibt es dafür eine Möglichkeit, oder lesen die ganzen Online-Shops lesen ihren Zahlungseingang manuell?
17. Mai 2010, 16:52André S.:
Das bedeutet, dass keine Anonymität gegeben ist.
Was geht es denn die Betreiber von Flattr an, auf welchen Webseiten ich mich bewege?
Mir wäre es lieber, wenn es endlich jemand schaffen würde, das Equivalent zum realen Geld zu entwickeln:
- Aufladbar bei der eigenen Bank
- Ausgeben des Betrags komplett anonym
Wäre ja noch toller, wenn ich jedem Straßenmusikanten meine Bankverbindung mitteilen müsste oder nach seiner fragen müsste, damit ich ihm ‘nen Euro in den Hut werfen kann.
20. Mai 2010, 17:15