10. April 2009, 21:18
Die Domain wikileaks.de, deren Betreiber vor kurzem eine Hausdurchsuchung wegen des Vorwurfs der Verbreitung pornographischer Schriften erleben durfte, wurde scheinbar auf Veranlassung deutscher Behörden von der DENIC gesperrt.
Grund dürfte auch dieses mal wieder die bei Wikileaks zu findende australische Zensurliste sein, die unter anderem Seiten mit kinderpornographischem Inhalt enthält. Von der DENIC oder den Behörden gibt es bisher keine Stellungnahme dazu. Die Betreiber der Whistleblower-Webseite, die auch vor dem jetzigen Schlag nicht informiert wurden, verurteilen das Vorgehen in einer Pressemitteilung scharf und kommentieren es folgendermaßen: “China – und nun Deutschland – sind die einzigen Länder dieser Welt, die versuchen eine ganze Wikileaks-Domain zu zensieren.”
An Fakten ist bis jetzt bekannt, dass die DENIC offensichtlich den Tech-C und Zone-C der Domain übernommen hat. Als Holder und Admin-C ist weiterhin Theodor Reppe eingetragen, der aber keine Kontrolle mehr über die Domain haben dürfte. Der DNS-Eintrag der Domain läuft momentan ins Leere.
Der Betrieb des Dienstes Wikileaks an sich ist wiederum von der Sperrung nicht betroffen, da dieser über weitere Domains wie etwa wikileaks.org ungestört weiterläuft. Gleichwohl rechnen die Betreiber damit, dass diese alternativen Domains bei Einführung der Internetzensur nach den Plänen von der Leyens ebenfalls zensiert werden.
Update: Mittlerweile wehrt sich die DENIC gegen die Vorwürfe von Wikileaks und erklärt, dass sich die Domain im Transfer befinde, da der Vertrag vom Hoster zum 30. März 2009 gekündigt worden wäre und die Domain sich daher im Transfer befindet, bis sie einem anderen Hoster zugeordnet wird. Die Vermutung, dass die Domain von der DENIC gesperrt worden wäre, scheint sich also nicht zu bestätigen. Mittlerweile hat auch der Hoster reagiert und bestätigt die Version der DENIC. Unklar ist jetzt noch, warum Theodor Reppe scheinbar entweder nicht über die Kündigung informiert wurde oder sie ignoriert hat.
Update2: Jetzt hat Wikileaks reagiert und eine neuen Pressemitteilung veröffentlicht. Hintergrund war wohl nicht die Zensurliste auf wikileaks selber, sondern der Versuch Reppes, die Domain des Bundesbachrichtendienstes wegen formalen Fehlern bei der Anmeldung zu übernehmen. Daraufhin hatte die Agentur “Beasts Associated” nach seinen Angaben telefonisch zugesichert, die Domains erst nach Ablauf des Jahres, wofür sie im Vorraus bezahlt waren, zurückzugeben. Aus irgendeinem Grund soll sich die Agentur nicht an die Vereinbarung gehalten haben, womit über das Osterwochenende alle Projekte Reppes nicht mehr erreichbar wurden.