5. Dezember 2009, 16:54
Schon vor einiger Zeit gingen Gerüchte durch die unterschiedlichen Kanäle des Internets, dass Google am “nächsten großen Ding” namens Wave arbeite und das so ziemlich die beste Erfindung seit geschnitten Brot wäre. Wave hat also schon vor dem Start der teilöffentlichen Betaphase einiges an Vorschusslorbeeren geerntet, auch wenn einem zu diesem Zeitpunkt kaum Jemand erklären konnte, was Wave genau eigentlich ist. Nachdem vor Kurzem die Betaphase gestartet ist und diese ähnlich wie bei gmail über Einladungen teilöffentlich gestartet wurde, habe ich das zum Anlass genommen, mir Wave mal genauer anzusehen.
Google versucht mit Wave eine Verschmelzung von bekannten Kommunikationsmöglichkeiten wie Email, Chat, Foren, Wikis und weitere basierend auf XML und dem XMPP-Protkoll. Logt man sich bei Google Wave ein, (was momentan nur mit einer Einladung und einem Google-Konto möglich ist) kriegt man zunächst eine dreispaltige, ziemlich übersichtlich gestaltete Oberfläche zu sehen, die zunächst an einen Emailclient erinnert. Die sonst auch bei Emails üblichen Ordner sind vorhanden und in der unteren linken Leiste befindet sich eine Kontaktliste, wie man es von Chatprogrammen kennt.
Um nun mit der Benutzung von Wave zu beginnen, muss man zunächst eine neue “Wave” öffnen, idealerweise selbstverständlich mit einem oder mehreren Gesprächspartern. Darin kann man dann Nachrichten schreiben, die nahezu in Echtzeit auch beim Empfänger der Nachricht Zeichen für Zeichen erscheinen. Um solche Funktionen umzusetzen ist natürlich ein exzessiver Gebrauch von Javascript erforderlich, was die Sache auch manchmal etwas zäh werden lässt und zu Kompabilitätsproblemen führt, so funktioniert die aktuelle Version beispielsweise nicht im Internet Explorer, empfohlen werden Firefox, Chrome oder Safari in der jeweils aktuellen Version. Neben dem normalen eingeben von formatiertem oder unformatieretemText unterstützt Google auch beispielsweise das einbinden von Bildern oder Youtube-Videos.
Um zu antworten kann man beispielsweise den Post editieren, direkt darauf antworten oder auch eine neue Nachricht in die Wave schreiben. Je nach persönlicher Nutzungsweise hat man so eine längere Konversation mit langen Nachrichten, Chatähnlich kurze Antworten oder einen Usenet-ähnlichen Threadbaum. Jede einzelne Änderung in der Wave kann man sich dann auch noch in einem “Replay”-Modus im chronologischen Verlauf anzeigen lassen.
Somit vereint Google Wave also tatsächlich die Funktionalität zahlreicher Dienste in sich, vom Adressbuch eines Emailclients über die Echtzeitkommunikation von Instant Messengern bis hin zur Editierbarkeit von Wikis und stellt damit aus meiner Sicht eine extrem flexible Kommunikationsmöglichkeit dar. Natürlich ist aber wie immer nicht alles Gold, was glänzt. Aus meiner Beschreibung kann man ja schon entnehmen, dass jedes einzelne Detail der Kommunikation auf dem Google-Server gespeichert wird und man komplett die Kontrolle über seine Daten verliert, was auch schon beispielsweise vom BSI kritisiert wurde.
Da Wave grundsätzlich auf freier Software und freien Protokollen basiert, wird es zwar in absehbarer Zeit möglich sein, eigene Wave-Server zu betreiben und damit die Situation etwas zu entschärfen, jedoch ändert das am Grundproblem der serverseitigen Speicherung zahlreicher Daten nichts.
Zusammenfassend würde ich sagen, dass Google Wave einen durchaus sinnvollen und vor allem sehr flexiblen Ansatz zur Kommunikation im Internet darstellt. Der Mehrwert ist jedoch aus meiner Sicht nicht so groß, dass es sich lohnen würde, von anderen Möglichkeiten auf Wave umzusteigen und die momentan vorhanden Datenschutzprobleme machen es zumindest für mich generell unattraktiv. Auch stellt sich mir die Frage, ob es tatsächlich nötig ist, die momentan verwendeten Technologien für eine alles erschlagende Lösung wie Wave aufzugeben oder ob eine clientseitige Vereinigung wie beispielsweise im (leider noch unausgereiften) Mozilla Raindrop nicht vielversprechender wäre.