Archive for the ‘Urheberrecht’ Category.

Rick Falkvinges offener Brief an die Musikindustrie

Rick Falkvinge, Vorsitzender der schwedischen Piratenpartei, war kürzlich bei einer Podiumsdiskussion auf der Musikindustrie-Konferenz “In The City” in Manchester zu Gast und diskutierte mit verschiedenen Industrievertretern und brachte dabei auch seinen Vorschlag einer Begrenzung der kommerziellen Verwertungsrechte auf 5 Jahre in Spiel. Die Reaktionen darauf waren erwartungsgemäß nicht unbedingt überwiegend positiv und reichten bis zu einem Ausruf von Dave Smith, der wütend erklärte: “Wenn wir im Mittelalter wären, würde ich Sie auf dem Scheiterhaufen verbrennen”. (sinngemäße Übersetzung aus dem Englischen)

Auf diese und andere Anfeindungen seitens der Musikindustrie reagiert der schwedische Pirat nun mit einem offenen Brief, in dem er seine Sichtweise darlegt. Da nach einer Übersetzung des englischen Textes ins Deutsche gefragt wurde, habe ich mich bemüht, den Text zu übersetzen:

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Neues zur Zukunft von The Pirate Bay

Nachdem der Bittorrent-Tracker The Pirate Bay vor kurzem an die schwedische Firma Global Gaming Factory verkauft wurde, war zunächst wenig über die Zukunft der umstrittenen Seite bekannt. Klar war nur, dass die Firma auf eine neue Bittorrent-ähnliche Technologie setzen und das Angebot legal und kommerziell weiterbetreiben möchte.

Wayne Rosso, der durch seine frühere Tätigkeit bei Grokster und beim Aufbau des lizenzierten Filesharing-Dienstes Mashboxx schon über Erfahrung beim Thema Filesharing verfügt und nun für GGF an der Umgestaltung von The Pirate Bay beteiligt ist, gab gegenüber Torrentfreak weitere Details der Zukunftspläne preis.

Nach seinen Angaben wird die Seite in Zukunft nicht mehr öffentlich, sondern nur gegen Zahlung einer monatlichen Gebühr zugängig sein. Diese Gebühr kann durch die Einbindung der eigenen Rechenleistung an ein “Cloud-Network” bis auf null gedrückt werden. Weiterhin will GGF mit der noch nicht veröffentlichten neuen Technologie Traffic einsparen und so auch die Provider entlasten. Das durch die Abbonnements und Werbung eingenommene Geld soll dann dafür verwendet werden, die Rechteinhaber zu entschädigen.

Als Teil des Deals erhält GGF von den Piratebay-Gründern sämtliche Domains, unter denen der Tracker bisher erreichbar ist und eine Kopie des Codes und der Datenbank. Wenn alles klappt, soll der Transfer am Ende dieses Monats abgeschlossen sein.

Es ist also nicht ausgeschlossen, dass der alte Tracker in der einen oder anderen Form weiterleben wird. Schon direkt nach der Bekanntgabe des Verkaufs war aufmerksamen Internetnutzern der Start der Seite Openbittorrent.com aufgefallen, deren Tracker sowohl von den IP-Adressen als auch vom Inhalt her identisch mit der bisherigen Piratenbucht ist. Es ist also durchaus denkbar, dass die Betreiber selbst oder Dritte planen, unter neuer Adresse als reiner Tracker ohne Torrent-Verzeichnis weiterzumachen.

Kommentar: Ich bin skeptisch, ob das neue Konzept für den Tracker aufgehen wird. Die monatliche Gebühr wird sicherlich einige Nutzer davon abhalten, The Pirate Bay weiter zu benutzen. Auch die Idee, die Bezahlung statt Geld über Rechenleistung in einem Cloud-Computing-Netzwerk abzuwickeln, wird wohl nur bei wenigen auf Gegenliebe stoßen. Solange es noch kostenlose frei zugängliche Tracker mit ähnliche Funktionalitäten gibt, dürfte die Piratenbucht schweren Zeiten entgegensehen. Auch ist noch unklar, wie das Angebot des überarbeiteten Trackers letztendlich aussehen wird. Denkbar ist eigentlich nur, dass nur von den Rechteinhabern authorisierte Torrents zugelassen werden. Damit würde das neue Angebot dann einer Kulturflatrate mit sehr eingeschränktem Angebot ähneln. Wenn aber weiter alle Torrents erlaubt wären, hätte das Unternehmen sicherlich nicht genügend Geld, um die ständigen Schadensersatzforderungen der Rechteinhaber zu befriedigen, die bei einem kommerziellen Betrieb des Servers sicherlich eintreffen würden. Für mich hat die Sache bis jetzt den Anschein, als habe sich die Firma von den hohen Nutzerzahlen des Trackers blenden lassen und nicht darüber nachgedacht, dass diese Nutzer schnell verschwinden können, wenn der Tracker seine Attraktivität verliert. Ich lasse mich da aber in der Zukunft gern eines Besseren belehren.

Neue Version des HADOPI-Gesetzes in Frankreich im Senat verabschiedet

Schon seit längerem versucht die Regierung Sarkozy mittels eines schon mehrmals gescheiterten Gesetzes eine Regelung durchzusetzen, mit der man ertappten Urheberrechtsverletzern den Internetzugang bis zu einem Jahr lang sperren kann. Nachdem kürzlich die verabschiedete Form des Gesetzes vom französischen Verfassungsrat einkassiert wurde, wurde nun im französischen Senat eine überarbeitete Version des Gesetzes verabschiedet.

Statt der HADOPI-abgekürzten Behörde sollen die Zugangssperren nach dem neuen Entwurf von Richtern verhängt werden, die auf Grundlage eines von der Behörde und der Verwerterindustrie zusammengestellten Dossiers urteilen. Ebenso wie im vorherigen Entwurf muss der Verurteilte die Gebühren für den Internetanschluss aber weiterhin zahlen, obwohl er diesen ja nicht benutzen kann. Bei einem erneuten Verstoß während des Sperrzeitraums drohen Geldstrafen, bei Wiederholungen und “besonders schweren Fällen” sind Geldstrafen bis 300 000 und Freiheitsstrafen von bis zu 2 Jahren möglich.

Nach der neuen Regelung zur Störerhaftung müssen Nutzer, deren Internetzugang von Dritten zur Begehung von Urheberrechtsverletzungen benutzt wird mit einem Monat Sperre und einer Geldstrafe von bis zu 1500 Euro rechnen. Nach einer neuen Ergänzung können allgemein Verstöße geandet werden, die über “elektronische Kommunikation” begangen wurden. Das Gesetz muss nun noch vom Parlament verabschiedet werden, was auch nicht ohne Debatten geschehen dürfte.

Kritiker wie die Bürgerrechtsorganisation La Quadrature du Net halten das Gesetz nach wie vor für verfassungswidrig, lehnen es weiterhin insgesamt ab und fordern stattdessen einen Ausgleich zwischen den Rechten der Urheber und derer der Öffentlichkeit.

(via heise)