Archive for the ‘Zensur’ Category.

Das Zensurgesetz ist durch

Die Überschrift sagt eigentlich alles. Weitere Kommentare sind eigentlich nicht nötig.

Die Piratenpartei organisiert am Samstag den 20.Juni in verschiedenen Städten Demonstrationen gegen das Zensurgesetz unter dem Titel “Löschen statt sperren”. Unter loeschenstattsperren.de finden sich dazu weitere Informationen.

Zensursula-Petition knackt den Rekord

Die Petition Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten, die sich gegen die Einführung einer Internetzensurinfastruktur unter dem Deckmantel der Bekämpfung der Kinderpornographie richtet hat vor kurzem den bisherigen Mitzeichnerrekord von 128.193 Mitzeichnern der Petition „Halbierung der Besteuerung von Diesel und Benzin” gebrochen. Der aktuelle Stand liegt bei 129.180 Mitzeichnern, womit die Petition offiziell die bisher stimmstärkste Petition im epetitions-System des deutschen Bundestages ist.

Leider sieht es momentan nicht danach aus, als würde sich die große Koalition dadurch von ihren Plänen abbringen lassen. Im Gegenteil wurde ein mit der Unterstützung von Piraten unterstützter Antrag auf dem SPD-Parteitag nicht mal diskutiert. Die CDU macht derweil mit einer Pressemitteilung klar, dass es eigentlich nicht um Kinderpornographie geht. Zitat:

Die SPD wäre dadurch Gefahr gelaufen, Straftaten im Internet Vorschub zu leisten, von der Vergewaltigung und Erniedrigung kleiner Kinder bis hin zu Urheberrechtsverletzungen in breitestem Ausmaß gegenüber Künstlern und Kreativen.

Die Koalitionspartner sollen sich auch schon auf ein Gesetz geeinigt haben, das am Donnerstag verabschiedet werden soll.

Französischer Verfassungsrat erklärt HADOPI-Gesetz für Verfassungswidrig

Erwartungsgemäß hat der französische Verfassungsrat das HADOPI-Gesetz, nach dem eine neue Behörde Warnbriefe an Filesharer hätte verschicken und letztendlich den Internetanschluss bei wiederholten Verstößen gegen das Urheberrecht hätte sperren können, gestern für verfassungswidrig erklärt.

Die Richter sahen in dem Gesetz gleich mehrere Verstöße gegen die Verfassung, so beispielsweise durch die Umkehrung der Unschuldsvermutung und den Verstoß gegen das Recht auf Informationsfreiheit. Eine Freiheitsbeschränkung in der Form der Sperrung des Internetanschlusses kann nach Meinung der Richter nur durch ein Gericht erfolgen und nicht durch eine staatliche Behörde, die nun höchstens Warnbriefe verschicken kann.

Trotz dieses Rückschlags ist nicht zu erwarten, dass die Regierung Sarkozy ihre Pläne aufgibt. Im Gegenteil wird unter dem Namen Loppsi2 gerade eine Gesetz vorbereitet, das die rechtliche Grundlage für die Verwanzung von Computern durch staatliche Trojaner, eine umfassende staatliche Internetzensur und eine neue Überwachungsdatenbank schaffen soll.

(via datenschutz.de und heise)

92% der Deutschen für Internetzensur und 90% dagegen oder: traue keiner Statistik…

…die du nicht selber gefälscht hast. Zugegeben, mit direkter Statistikfälschung hat der Kampf um die Internetzensur wenig zu tun, wohl aber wird uns mal wieder vorgeführt, wie leicht man mit einer suggestiven Fragestellung ein gewünschtes Ergebnis erzielen kann.

Vorgeprescht ist in dem Fall der umstrittene Verein Deutsche Kinderhilfe, (Wikipedia-Info) die mit einer Umfrage von Infratest dimap und der Fragestellung „Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Sperrung von kinderpornographischen Seiten im Internet. Kritiker befürchten eine Zensur und bezweifeln die Wirksamkeit solcher Sperren. Befürworter betonen dagegen, dass solche Sperren eine sinnvolle und wirksame Maßnahme im Kampf gegen die Verbreitung solcher Bilder sind. Wie sehen Sie das: Sind Sie für ein Gesetz zur Sperrung kinderpornographischer Seiten im Internet oder dagegen?” zu beweisen versuchte, dass die Zensurgegner sich in der Minderheit befänden. Das Ergebnis fiel dann auch mit 92% für die Zensur denkbar klar aus und lieferte den Zensurbefürwortern neue Munition für die politische Debatte.

Der Verein Mogis – Missbrauchsopfer gegen Internetsperren wollte diese Ergebnisse nicht so im Raum stehen lassen und gab stattdessen ebenfalls bei Infratest dimap eine Umfrage zu dem Thema im Auftrag. Die Fragestellung war in dem Fall allerdings anders. Gefragt wurde, ob eine Zensur der Seiten aus Sicht des Befragten ausreichen würde, ob die Seiten gelöscht und die Betreiber strafrechtlich verfolgt werden sollten und letztendlich, ob man die Seiten im Netz lassen sollte. Die beiden ersten Fragen wurden mit jeweils über 90% mit Nein bzw. Ja (also gegen die Zensur und für die Verfolgung) beantwortet, während nur zwei Prozent dafür stimmten, nichts zu tun.

Die vorliegenden Ergebnisse zeigen nun erstmal keinen generellen Trend bzw. lassen keine Aussage darüber zu, wie die Merheit der deutschen Bevölkerung zur Frage der Wahl der Mittel im Kampf gegen kinderpornographische Inhalte und die mögliche Einführung einer Internetzensur stehen. Die Mogis-Umfrage belegt aber sehr gut, dass man mit suggestiven Fragen leicht gewünschte Umfrageergebnisse erreichen kann, um die Meinungsbildung in einer Diskussion zu beeinflussen oder den Gegner zu diskreditieren. Daher sollte man jede Umfrage kritisch hinterfragen, bevor man ihre Ergebnisse als Fakten verkauft.

(via Zeit online)

Petition gegen Internetzensur

Gegen die von der Bundesregierung geplante (und bereits per Vertrag mit einzelnen Providern festgeschriebene) Internetzensur wurde mittlerweile eine Petition beim deutschen Bundestag eingerichtet. Der Petitionstext ist folgender:

Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die “Sperrlisten” weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.

Die Petition kann noch bis zum 16.06. unterzeichnet werden, wobei man sich auch durch die erforderliche Registrierung und das grausame Petitionssystem nicht abschrecken lassen sollte.

Telekompaket entwickelt sich zu Ungunsten der Internetnutzer

Nachdem die massiven Lobbybemühungen von Gruppen wie La Quadrature du Net zunächst Früchte zu tragen schienen und die negativen Aspekte des Telekompakets vorerst beseitigt schienen, entwickelt sich die Situation momentan wieder in die andere Richtung. Bei der Kompromißfindung zwischen Parlament und Rat wurde mittlerweile ein Passus, der vorschrieb, dass bei Eingriffen in die Grundrechte von Internetnutzern ein Gericht eingeschaltet werden muss so abgeändert, dass nun ein “neutrales Tribunal” dafür zuständig sein könnte. Damit wäre der Weg für das französische Modell frei, in dem eine Behörde namens HADOPI quasi auf Zuruf die Anschlüsse von Filesharern sperren bzw. entsprechende Warnbriefe verschicken könnte. Es bleibt jetzt abzuwarten, ob der Vorschlag so von Ministerrat und Parlament akzeptiert wird.

Währenddessen stehen auch in der EU mittlerweile die Zeichen auf Zensur. Der Ministerrat plant, mit einem Rahmenbeschluss, für den bereits ein Entwurf vorliegt, alle EU-Länder zur Einführung einer Internetzensur gegen Webseites mit kinderpornographischen Inhalten zu verpflichten. Dass hier eine auf Landesebene unpopuläre Maßnahme über den Umweg der EU eingeführt werden soll, werden die zuständigen Personen sicherlich verneinen.

(via gulli, Futurezone und heise)

Die Internetzensur rückt näher

sFoto: Tim Pritlove, keine CC-Lizensierung

Planmäßig wurden am letzten Freitag die inhaltlich geheimen Zensurverträge mit 5 der größten deutschen Provider unterzeichnet. Diese werden nun den Zugriff auf Seiten, die auf einer Liste des BKA stehen, blockieren und stattdessen eine “Stoppschild-Seite” anzeigen. Gegen die Unterzeichnung der Verträge protestierten rund 250 Menschen vor dem Bundespresseamt, woraufhin die Ministerin und die Vertreter der Provider den Hintereingang benutzten.

Ursula von der Leyen hat im Internet mittlerweile den Spitznamen “Zensurursula” oder schlicht “Zensursula” erhalten. Neben zahlreichen kreativen Bildern gibt es mittlerweile auch die Möglichkeit, sich die Ministerin als Schablone, ähnlich der bekannten “Schäublone”, aufs T-Shirt drucken zu lassen und so seinem Protest Ausdruck zu verleihen. Ebenfalls gegen die geplante und schon eingeführte Internetzensur richtet sich der AK Zensur, der ein breits Bündnis ähnlich dem AK Vorrat aufbauen möchte.

Ursula von der Leyen hat in der Zwischenzeit auch einen ersten Gesetzentwurf zur Internetzensur vorgelegt, der die Beschränkung auf außereuropäsiche Webseiten nicht mehr enthält und die Provider verpflichten soll, die “Stopp-Seiten” selber zu hosten und es ihnen dabei “erlaubt”, IP-Adressen zu speichern. Der Entwurf soll bereits morgen im Bundeskabinett beschlossen werden.

s Foto: Tim Pritlove, keine CC-Lizensierung

Warum man eine Internetzensur in demokratischen Ländern gar nicht erst einführen sollte, demonstriert gerade England. Basierend auf dem zu Jugendschutzzwecken eingeführten Zensursystem zensiert British Telecom seinen Mobilfunkkunden jetzt den Bittorrent-Tracker The Pirate Bay.

Wer bei einem der Provider einen Vertrag hat, die den Zensurvertrag mit dem BKA unterschrieben haben, sollte prüfen, ob sich daraus ein Sonderkündigungsrecht ergibt und gegebenenfalls den Provider wechseln. Eine andere Möglichkeit stellt auch die Nutzung eines alternativen DNS-Servers dar. Eine Anleitung, wie man den DNS-Server unter Windows und anderen Betriebssystemen ändert, habe ich schon vor einiger Zeit geschrieben. Man muss sich nur einen alternativen DNS-Server aussuchen und seine IP-Adresse statt der in der Anleitung eingegebenen verwenden. Folgende Server stehen beispielsweise zur Auswahl:

  • Foebud:
    • 85.214.73.63
  • German Privacy Foundation
    • 87.118.100.175
    • 62.141.58.13
    • 87.118.104.203
    • 94.75.228.29
    • 85.25.251.254
  • Cesidian Root
    • 78.47.115.194
    • 78.47.115.197
    • 89.238.64.147
    • 80.239.207.176
    • 91.184.33.25
    • 24.129.114.64
    • 66.92.233.14
    • 66.92.233.130

Nun gilt es zunächst, möglichst das Zustandekommen des Gesetzes zu verhindern und danach die Provider dazu zu bringen, ihre Zensurverträge zu kündigen.

Der Widerstand gegen die Internetzensur formiert sich

Nachdem Familienministerin Ursula von der Leyen die Unterzeichnung der ersten Verträge mit Providern für den 17. April angekündigt hat, formiert sich langsam eine Protestbewegung von Internetnutzern.

Unter zensurprovider.de wurde mittlerweile eine Liste von deutschen Providern eingerichtet, für die jeweils aufgeführt wird, ob sie sich an der Zensur direkt beteiligen, auf eine gesetzliche Regelung warten oder sie ablehnen. Diese soll wahrscheinlich sowohl eine Art Pranger für die kooperierenden Provider sein, als auch eine Positivliste für Provider, die die Zensur ablehnen. Insgesamt erhofft man sich wohl direkt oder indirekt Einfluss auf die Entscheidung der Verbraucher für zukünftige Vertragsabschlüsse oder Kündigungen auszuüben und so wirtschaftlichen Druck auf die Provider aufzubauen.

Für den 17.April ist indessen eine Mahnwache gegen Internetzensur vor dem Presse- & Besucherzentrum der Bundesregierung in Berlin geplant, die von CCC, FoeBuD, AK Vorrat, Piratenpartei und netzpolitik.org unterstützt wird. In Anschluss sollen dort dann die ersten Verträge zwischen Bundesregierung bzw. BKA und Providern unterzeichnet werden. Weitere Infos zur Aktion finden sich bei netzpolitk.org.

(via netpolitik.org)

Wikileaks.de gesperrt? [UPDATE2]

Die Domain wikileaks.de, deren Betreiber vor kurzem eine Hausdurchsuchung wegen des Vorwurfs der Verbreitung pornographischer Schriften erleben durfte, wurde scheinbar auf Veranlassung deutscher Behörden von der DENIC gesperrt.

Grund dürfte auch dieses mal wieder die bei Wikileaks zu findende australische Zensurliste sein, die unter anderem Seiten mit kinderpornographischem Inhalt enthält. Von der DENIC oder den Behörden gibt es bisher keine Stellungnahme dazu. Die Betreiber der Whistleblower-Webseite, die auch vor dem jetzigen Schlag nicht informiert wurden, verurteilen das Vorgehen in einer Pressemitteilung scharf und kommentieren es folgendermaßen: “China – und nun Deutschland – sind die einzigen Länder dieser Welt, die versuchen eine ganze Wikileaks-Domain zu zensieren.”

An Fakten ist bis jetzt bekannt, dass die DENIC offensichtlich den Tech-C und Zone-C der Domain übernommen hat. Als Holder und Admin-C ist weiterhin Theodor Reppe eingetragen, der aber keine Kontrolle mehr über die Domain haben dürfte. Der DNS-Eintrag der Domain läuft momentan ins Leere.

Der Betrieb des Dienstes Wikileaks an sich ist wiederum von der Sperrung nicht betroffen, da dieser über weitere Domains wie etwa wikileaks.org ungestört weiterläuft. Gleichwohl rechnen die Betreiber damit, dass diese alternativen Domains bei Einführung der Internetzensur nach den Plänen von der Leyens ebenfalls zensiert werden.

Update: Mittlerweile wehrt sich die DENIC gegen die Vorwürfe von Wikileaks und erklärt, dass sich die Domain im Transfer befinde, da der Vertrag vom Hoster zum 30. März 2009 gekündigt worden wäre und die Domain sich daher im Transfer befindet, bis sie einem anderen Hoster zugeordnet wird. Die Vermutung, dass die Domain von der DENIC gesperrt worden wäre, scheint sich also nicht zu bestätigen. Mittlerweile hat auch der Hoster reagiert und bestätigt die Version der DENIC. Unklar ist jetzt noch, warum Theodor Reppe scheinbar entweder nicht über die Kündigung informiert wurde oder sie ignoriert hat.

Update2: Jetzt hat Wikileaks reagiert und eine neuen Pressemitteilung veröffentlicht. Hintergrund war wohl nicht die Zensurliste auf wikileaks selber, sondern der Versuch Reppes, die Domain des Bundesbachrichtendienstes wegen formalen Fehlern bei der Anmeldung zu übernehmen. Daraufhin hatte die Agentur “Beasts Associated” nach seinen Angaben telefonisch zugesichert, die Domains erst nach Ablauf des Jahres, wofür sie im Vorraus bezahlt waren, zurückzugeben. Aus irgendeinem Grund soll sich die Agentur nicht an die Vereinbarung gehalten haben, womit über das Osterwochenende alle Projekte Reppes nicht mehr erreichbar wurden.

Internetzensur soll bei manchen Providern noch diesen Monat kommen

Trotz aller rechtlichen und technischen Bedenken hält Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen an ihren Plänen zur Zensur von Seiten mit kinderpornographischen Inhalten fest. Wie geplant soll dazu eine Liste von Adressen vom BKA erstellt werden, die dann von den vertraglich gebundenen Providern mindestens auf DNS-Ebene blockiert werden müssen. Erste Verträge mit Providern sollen dazu bereits am 17.April unterzeichnet werden.

Nach Medienberichten handelt es sich bei den 5 Providern, die bereits jetzt bereit sind, zu unterzeichen, um die Deutsche Telekom, Vodafone (Arcor), Hansenet (Alice), O2 und Kabel Deutschland. Höchstwahrscheinlich wird es zur Umsetzung der Zensur bei den einzelnen Providern nötig sein, die AGB entsprechend zu ändern, was den Kunden dieser Provider ein Sonderkündigungsrecht einbringt.

Abgesehen von der leichten Umgehbarkeit der geplanten Sperren und der wahrscheinlichen Ausweitung der Zensur auf andere Bereiche wurde mittlerweile auch bekannt, dass die Argumente der Ministerin größtenteils auf falschen Annahmen und fehlinterpretierten Zahlen beruhen.

(via Futurezone)