21. April 2009, 16:44
Foto: Tim Pritlove, keine CC-Lizensierung
Planmäßig wurden am letzten Freitag die inhaltlich geheimen Zensurverträge mit 5 der größten deutschen Provider unterzeichnet. Diese werden nun den Zugriff auf Seiten, die auf einer Liste des BKA stehen, blockieren und stattdessen eine “Stoppschild-Seite” anzeigen. Gegen die Unterzeichnung der Verträge protestierten rund 250 Menschen vor dem Bundespresseamt, woraufhin die Ministerin und die Vertreter der Provider den Hintereingang benutzten.
Ursula von der Leyen hat im Internet mittlerweile den Spitznamen “Zensurursula” oder schlicht “Zensursula” erhalten. Neben zahlreichen kreativen Bildern gibt es mittlerweile auch die Möglichkeit, sich die Ministerin als Schablone, ähnlich der bekannten “Schäublone”, aufs T-Shirt drucken zu lassen und so seinem Protest Ausdruck zu verleihen. Ebenfalls gegen die geplante und schon eingeführte Internetzensur richtet sich der AK Zensur, der ein breits Bündnis ähnlich dem AK Vorrat aufbauen möchte.
Ursula von der Leyen hat in der Zwischenzeit auch einen ersten Gesetzentwurf zur Internetzensur vorgelegt, der die Beschränkung auf außereuropäsiche Webseiten nicht mehr enthält und die Provider verpflichten soll, die “Stopp-Seiten” selber zu hosten und es ihnen dabei “erlaubt”, IP-Adressen zu speichern. Der Entwurf soll bereits morgen im Bundeskabinett beschlossen werden.
Foto: Tim Pritlove, keine CC-Lizensierung
Warum man eine Internetzensur in demokratischen Ländern gar nicht erst einführen sollte, demonstriert gerade England. Basierend auf dem zu Jugendschutzzwecken eingeführten Zensursystem zensiert British Telecom seinen Mobilfunkkunden jetzt den Bittorrent-Tracker The Pirate Bay.
Wer bei einem der Provider einen Vertrag hat, die den Zensurvertrag mit dem BKA unterschrieben haben, sollte prüfen, ob sich daraus ein Sonderkündigungsrecht ergibt und gegebenenfalls den Provider wechseln. Eine andere Möglichkeit stellt auch die Nutzung eines alternativen DNS-Servers dar. Eine Anleitung, wie man den DNS-Server unter Windows und anderen Betriebssystemen ändert, habe ich schon vor einiger Zeit geschrieben. Man muss sich nur einen alternativen DNS-Server aussuchen und seine IP-Adresse statt der in der Anleitung eingegebenen verwenden. Folgende Server stehen beispielsweise zur Auswahl:
- Foebud:
- German Privacy Foundation
- 87.118.100.175
- 62.141.58.13
- 87.118.104.203
- 94.75.228.29
- 85.25.251.254
- Cesidian Root
- 78.47.115.194
- 78.47.115.197
- 89.238.64.147
- 80.239.207.176
- 91.184.33.25
- 24.129.114.64
- 66.92.233.14
- 66.92.233.130
Nun gilt es zunächst, möglichst das Zustandekommen des Gesetzes zu verhindern und danach die Provider dazu zu bringen, ihre Zensurverträge zu kündigen.